Angiologie

gefäßeDie Angiologie, die Lehre von den Gefäßen, befasst sich mit der Erkennung u. Behandlung von Erkrankungen der Arterien und Venen bzw. mit deren Folgen.

Arterien (Schlagadern) bringen sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen und zur Muskulatur. Erkrankungen der Arterien wie z. B. die Arteriosklerose können zu akuten oder chronischen Durchblutungsstörungen der Organe (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) oder der Extremitäten (Claudicatio, „Schaufensterkrankheit“) führen.

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Quelle: www.g-netz.de

Venen bringen verbrauchtes sauerstoffarmes Blut von den Organen und der Muskulatur zurück zu Herz und Lunge. Häufige Erkrankungen der Venen sind z. B. Krampfadern (Varikosis) oder die Thrombose (Blutgerinnselbildung). Eine Thrombose kann zur Lungenembolie führen, wenn ein Stück des Blutgerinnsels mit dem Blutstrom zurück zur Lunge gespült wird und dort die Gefäße verstopft. Die Lungenembolie kann mit unspezifischen Beschwerden (Schwäche, Luftnot, Brustschmerz) einhergen, kann aber auch zum lebensgefährlichen Kreislaufschock führen.


Arteriosklerotische Gefäßkrankheiten

Die Arteriosklerose (=Aderverkalkung) ist ein lang andauernder u. auch alterungsbedingter Prozess, wobei das Einsetzen und der Verlauf der Arteriosklerose durch Vererbung einerseits und beeinflussbare Faktoren (Rauchen, Übergewicht, Diabetes, hoher Blutdruck, Cholesterin, Bewegungsmangel) andererseits bestimmt wird. Mit zunehmenden Ablagerungen kann das Gefäß verengen und so die Durchblutung gestört werden. In Belastungssituationen kann der resultierende Sauerstoffmangel des versorgten Gewebes (Ischämie) zu Schmerzen (Herz: Angina pectoris, Beine: Claudicatio) führen.
Das Video illustriert den Verlauf der Arteriosklerose:

Bei kleinen Rissen innerhalb der veränderten Gefäßwandung (Plaque-Ruptur) kann durch Ablagerung von Blutplättchen ein akuter Gefäßverschluss entstehen. Durch die abrupt fehlende Durchblutung entsteht ein Infarkt, bei dem letzlich (wenn eine rechtzeitige Behandlung unterbleibt) das versorgte Gewebe abstirbt.

Im Herz- u. Gefäßzentrum Göttingen steht ein breites methodisches Spektrum zur Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen zur Verfügung.
Mit Prof. Dahm wird der Schwerpunkt durch einen angiologischen Facharzt mit langjähriger klinischer u. interventioneller Erfahrung betreut. Jährlich führt er >200 Katheter-Eingriffe mit Aufdehnung verengter peripherer Arterien (Ballon-Dilatation bei pAVK) durch. Eine besondere Expertise des Zentrums liegt in der interventionellen Behandlung von Engstellen der Bein- u. Armschlagadern, insbesondere der Ober- u. Unterschenkelarterien bei kritischer Ischämie bzw. Amputationsgefahr.

Die angiologischen Leistungen im Einzelnen:

Diagnostik:
(Doppler-) Ultraschall
Herzinfarkt und Angina Pectoris (= Minderdurchblutung des Herzmuskels)
Schlaganfall (= Minderdurchblutung des Gehirns)
Schaufensterkrankheit (=Minderdurchblutung der Beine; „Raucherbein
Nierenarterienstenose (=Minderdurchblutung der Niere mit Blutdruckanstieg)
Darmarterienstenosen (=Minderdurchblutung der Verdauungsorgane)
Schulterarterienstenose (=Umgehungsdurchblutung des Armes über das Gehirn; ___Subclavian steal)

Therapie:
Behandlung von Gefäßengstellen: Durch ausreichend Bewegung, cholesterinarme- bzw. kohlenhydratmodifizierte Kost, Gewichtsabnahme, Behandlung des hohen Blutdrucks und Rauchverzicht können das individuelle Risiko und das Fortschreiten der Erkrankung günstig beeinflusst werden. Die Gabe von z. B. Blutfett-senkenden Medikamenten erfolgt bei Personen, die trotz anderer Maßnahmen ein erhöhtes Risiko aufweisen, bei mit erblich bedingtem Risiko, und bei all denjenigen, die bereits ein Gefäßereignis (z. B. Herzinfarkt) erlitten haben (auch unabhängig vom Cholesteringehalt des Blutes).
Relevante (den Blutfluß einschränkende) Engstellen werden durch Ballonaufweitung (=Dilatation) und ggf. Stentimplantation (=Gefäßstütze aus Metallgeflecht) bzw. operativer Anlage eines Umgehungsgefäßes (=Bypass) behandelt.

2. Thrombose und Embolie

Änderungen der Blutbestandteile, des Blutflusses oder der Herz- u. Gefäß-Innenhäute können zur Bildung eines Blutgerinnsels (Blutpfropfes) führen. Eine Thrombose ist ein den Blutfluss behinderndes Blutgerinnsel in einem venösen Gefäss (häufig Beine). Löst sich ein Teil des Blutgerinnsels, wird es mit dem Blutstrom weggespült und kann in lebenswichtigen Organen bedrohliche Gefäß-Verstopfungen verursachen (Embolie). Die Diagnose der Thrombose erfolgt i. d. Regel schnell und wenig belastend durch den Gefäßultraschall beim Angiologen. Bei den Ursachen der Thrombose steht (neben z. B. genetischen Faktoren) fehlende Bewegung (lange Reisen, Bettlägerigkeit, Operationen oder Gipsverbände) an oberster Stelle. Bei der Behandlung spielen (neben operativen- bzw. apparativen Verfahren bei der Therapie von Krampfadern) blutverdünnende Medikamente eine wesentliche Rolle.

 

 

 

Schaufensterkrankheit (arterielle Verschlusskrankheit)
Als Schaufensterkrankheit wird im Volksmund die Durchblutungsstörung der Beine bezeichnet. Beim Laufen brauchen die Beine mehr Blut zur Versorgung. Liegen bedeutsame Engstellen in den Schlagadern vor, die die Beine versorgen, kommt es zu Schmerzen durch Mangeldurchblutung beim Laufen.
Nach einer gewissen Wegstrecke müssen die Patienten wegen Schmerzen anhalten. Die Beschwerden vergehen typischerweise nach einer kurzen Pause rasch, sodass wieder eine gleiche Strecke zurückgelegt werden kann, bevor wieder angehalten werden muss. So kommen sie also von Schaufenster zu Schaufenster, schauen die Auslagen an, können dann wieder weitergehen…

Früher bekam man dann den Rat „weiter-zu-Gehen“ (Gehtraining), weil dies die Ausbildung von Umgehungskreisläufen fördert. Da aber dann langfristig (und durch den Bewegungsmangel begünstigt) Gewichtszunahme mit Diabetes droht und die Erkrankung an den kleinen Gefäßen des Unterschenkels weiter voranschreitet, besteht heute Übereinkunft darin, dass bei Auftreten erster Symptome einer „Schaufensterkrankheit“ bereits eine weiterführende Angiographie und ggf. Ballonaufweitung zum Offenhalten der st Angiologe und Kardiologe)

 

großen Beinadern stattfinden sollte und eine Therapie zur Verhinderung des Voranschreitens der Erkrankung eingeleitet wird.        weitere Information AVK (PDF)
Zuvor sollte aber eine ausführliche Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um sicher zu sein, dass die Beschwerden tatsächlich von einer mangelnden Durchblutung verursacht werden und um das exakte Vorgehen zu planen, so dass möglichst in gleicher Sitzung bereits die Behandlung (Ballondilatation) erfolgen kann.
Da die Atherosklerose sich nicht an „Menschen-gemachte“ Grenzen hält (Grenzziehung zw. Kardiologe zum Angiologen?), und die Prognose des Atherosklerose-Patienten vor allem durch die Herzkomplikationen dominiert wird, erfolgt bei uns auch häufig gleichzeitig die Darstellung der Herzkrankgefäße, da bei 1/3 aller Herzinfarktpatienten die Erkrankung stumm verläuft, d.h. bei diesen Patienten treten keine typischen Beschwerden)
(Prof. Dahm i
Schlaganfall
Als Schlaganfall bezeichnet man eine vorübergehende (TIA) oder dauerhafte Schädigung (Apoplex) des Gehirns durch eine Durchblutungsstörung oder einen Bluterguss. Folgen können Lähmungen, Sprechstörungen, Schwächen oder gar der Tod sein.
Die Hauptursache für einen Schlaganfall sind verschleppte Blutgerinsel (Thrombembolien). Da diese Blutgerinsel meist aus dem Herzen stammen (linkes Vorhofohr) und insbesondere bei Rhythmusstörungen entstehen (Vorhofflimmern) ist auch wieder die enge Anbindung zum Kardiologen von eminenter Wichtigkeit. Weniger häufig sind die Schlagadern am Hals Entstehungsort der Blutgerinsel als Ursache des Schlaganfalls.
Die einfachste Möglichkeit, diese Adern zu untersuchen, ist die Darstellung durch Ultraschall (siehe dort). Hierdurch können sehr genaue Aussagen über Grad und Bedeutung von vorhandenen Engstellen gemacht werden.
Bei Engstellen, die zu einem Schlaganfall geführt haben, kann i.d.R. eine Stentimplantation oder Operation weitere Schlaganfälle verhindern. Falls die Verengung einer hirnversorgenden Schlagader sehr ausgeprägt ist, sollte auch bei noch nicht stattgehabten Schlaganfall eine Katheterbehandlung (Stentimplantation) oder Operation das Schlaganfallrisiko senken. Das wird mit Ihnen dann im Göttinger Gefäßzentrum individuell besprochen.

Nierenarterienstenose
Die Atherosklerose macht auch vor den Nierenarterien nicht halt. Hier kann eine Engstelle neben der Organschwäche (stummer Organverlust) jedoch zusätzlich zu einem erhöhten Blutdruck führen, der nach Stentangioplastie deutlich besser einzustellen ist, und zu einem Organerhalt führt. Im HGZ Göttingen werden ausschließlich die bereits seit Jahren in Koronargefäßen sehr bewährten „Drug-eluting-Stents“ (DES) eingesetzt.
Bei jüngeren Patienten kann aber auch eine sogenannte „Fibromuskuläre Dysplasie“ zu Nierenarterienstenosen führen. Die Ballonangioplastie führt hier sogar meist zur dauerhaften Heilung des hohen Blutdrucks.

 

Verschluß der Arm-/Schulterarterien
Eine durch Atherosklerose verschlossene Schulter-/Armarterie verursacht häufig das Steal-Symptom, wo sich der zu versorgende Arm das benötigte Blut aus dem Gehirn abzapft (steal), wodurch z.B. Schwindel bei Tragen einer Einkaufstasche mit dem linken Arm verursacht wird. Das HGZ-Göttingen wendet Techniken an womit ein derartiger Verschluß in fast 100% der Fälle mit Kathetern wiedereröffnet werden kann.

Thrombose
Als Thrombose bezeichnet man ein Blutgerinnsel (Blutpfropf) in einem Gefäß. Im allgemeinen treten Thrombosen in Venen auf, seltener sind Arterien betroffen.
Der häufigste Ort einer Venenthrombose sind die Beine. Oberflächliche Schmerzen und örtliche Entzündung stehen im Vordergrund bei der Thrombose des oberflächlichen Venensystems, Schwellung (und dadurch auch Schmerzen) des Beines bei der Thrombose der tiefen Beinvenen mit Lungenembolie als sehr ernstzunehmende Komplikation.
Die Erkennung und Behandlung von tiefen Beinvenenthrombosen ist deshalb sehr wichtig und die Ultraschalluntersuchung sollte notfallmässig und ohne Verzögerung noch am gleichen Tag erfolgen.

Die farbkodierte Ultraschalluntersuchung (Duplex-Doppler) ermöglicht eine Darstellung der Arterien der Extremitäten und der hirnversorgenden Gefäße, wodurch arteriosklerotische Veränderungen sehr genau erfasst werden, ohne die Notwendigkeit Kontrastmittel durch einen Katheter einzubringen. Die Ultraschallbildgebung erlaubt in vielen Fällen, auf eine Darstellung des Gefäßes mit Kontrastmitteln zu verzichten. Die farbkodierte Ultraschalluntersuchung der Venen zum Erkennen von Thrombosen oder Krampfadern hat in unserer Abteilung 90 % der Kontrastmittelverfahren ersetzt, wodurch eine schmerzfreie und beliebig oft wiederholbare Beurteilung der Venen ohne Strahlenbelastung möglich ist.
Die Duplexsonographie ist eine Ultraschalluntersuchung, mit der man nicht nur die Gefässe darstellen kann, sondern auch den Blutfluss in diesem Gefäss. Die Methode ist schmerzlos, ungefährlich und kann beliebig oft wiederholt werden. Beurteilt werden Gefässwand und Umgebung, Gefässgrösse, Flusshindernisse, die Blutflussgeschwindigkeit und Flussturbulenzen (Verwirbelungen). Neben dem Gewebe, das in Grautönen dargestellt wird, erscheinen Flüssigkeiten wie das Blut schwarz. Mit der Farbdoppleruntersuchung wird dann der Blutfluss dargestellt. Blutfluss auf den Untersuchungs-Schallkopf zu erscheint nun rot, vom Schallkopf weg blau:

Ultraschall/Doppler
Der Gefäßultraschall mit Doppleruntersuchung ist eine einfache, nebenwirkungslose und sofort verfügbare Untersuchungsmethode, die nicht nur bildgebende Informationen über den Zustand des Gefäßes (z.B. Engstellen) liefert, sondern auch eine funktionelle Aussage ermöglicht (z.B. Einengungsgrad).
Beweisend ist aber nur die Katheteruntersuchung der Gefäße (Angiographie), die im HGZ-Göttingen nach vorausgegangener Duplexuntersuchung fast ausschließlich mit sofortiger definitiver Behandlung der Gefäßengstelle erfolgt, wodurch der Patient nicht zweimal dem Punktionsrisiko ausgesetzt werden muß. Häufig kann selbst bei Angiographie der Beine die Untersuchung nahezu komplikationslos durch Punktion der Radialarterie durchgeführt (siehe Radial, siehe Aufklärungsbögen).